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Hans-Böckler-Stiftung: Demokratie in der digitalen Arbeitswelt

Die Digitalisierung der Arbeitswelt schreitet voran. Immer weniger lassen sich Lebens- und Arbeitswelt voneinander abgrenzen. Das hat auch Folgen für die betriebliche und überbetriebliche Mitbestimmung und für das fragile Gleichgewicht zwischen Kapital und Arbeit. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich das Seminar mit der Frage, welche Mitbestimmungsformen den digitalen Kapitalismus der Zukunft prägen werden und welche adäquaten Lösungswege in der Gegenwart zu finden sind.

Im Vordergrund des Seminars stehen die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitsgesellschaft und die Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten in den Betrieben. Erkenntnisleitend ist dabei die Prämisse, dass Mitbestimmung nicht nur durch Betriebsräte oder Gewerkschaften gestaltet, sondern grundsätzlich die Demokratie in der Arbeitswelt und damit die Partizipation der Beschäftigten aufrechterhalten wird. Denn insbesondere das auf vorherrschende, individuelle statt auf kollektive Lösungen abzielende Bewusstsein der lohnabhängigen oder selbständigen Beschäftigen erschwert es Gewerkschaften und Betriebsräten, Mitbestimmungsrechte zu bewahren, geschweige denn auszuweiten.

Wenn jedoch die Substanz der Sozialpartnerschaft, die autonome, tarifvertragliche Ausgestaltung der Arbeitswelt, weiterhin erodiert, stellen sich grundlegende Fragen. Im Seminar diskutieren wir über die Zukunft der Sozialpartnerschaft im digitalen Zeitalter. Wie wirkt sich der „digitale Tsunami“ (Sabine Pfeiffer) auf die Rolle und Funktion der Sozialpartner (Gewerkschaften, Unternehmensverbände), des Staates und die Einstellungen der Beschäftigten aus? Wie sieht die Demokratie in der betrieblichen Praxis der Zukunft aus? Führt die Digitalisierung der Arbeitswelt zu einer weiteren Vereinzelung der Beschäftigten und Entgrenzung von Arbeit und Freizeit? Könnte ein neues Modell der Sozialpartnerschaft, ein digitaler „Mitbestimmungskapitalismus“, möglich werden, der dies verhindert?

Im Seminar soll sich ein interdisziplinärer – politikwissenschaftlicher, soziologischer, juristischer und wirtschaftstheoretischer – Diskurs zum Thema „Demokratie in der digitalen Arbeitswelt“ entfalten. Neben der Auseinandersetzung mit Expert*innen – auch auf der Basis der Studie „Arbeit 4.0“ von Giesen/Kersten aus dem Jahr 2018 – wird eine Exkursion zur Heidelberger Druckmaschinen AG angeboten, um die Digitalisierung der Arbeitswelt und deren Folgen für die Mitbestimmung konkret zu erleben.

Weitere Informationen und Seminarleitung

Lektüre zur Vorbereitung: Richard Giesen / Jens Kersten: Arbeit 4.0. Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht in der digitalen Welt, München 2018.

Seminarleitung

Dr. Jens Becker, Referatsleiter Promotionsförderung, Hans-Böckler-Stiftung
Dr. Patrick Tschirner, Referent Promotionsförderung, Hans-Böckler-Stiftung

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