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Konrad-Adenauer-Stiftung: „Den Gordischen Knoten lösen – Zur Bedeutung des Kompromisses in der Demokratie“

Demokratische Prozesse sind ohne Kompromissbereitschaft nicht zu denken. In unserem Workshop werden wir uns sowohl mit historischen als auch gegenwärtigen Kompromissen auseinandersetzen und auf den Einfluss populistischer Strömungen eingehen. Grundlage hierfür bieten philosophische Texte zu Toleranz und Ethik. Die Seminarteilnehmenden werden im Vorfeld die Gelegenheit haben hierzu eigene Beiträge vorzubereiten.

Demokratische Prozesse sind ohne Kompromissbereitschaft nicht zu denken. In der Geschichte gibt es bahnbrechende Kompromisse, ohne die die Entwicklung anders verlaufen wäre. Einige davon sollen in der Sommerakademie zur Sprache kommen. Wir werden aber den Fokus auf die Gegenwart legen und vorrangig darüber diskutieren, wie in unserer Zeit Kompromisse zustande kommen und welche Voraussetzungen die verhandelnden Partner mitbringen müssen. In komplexer werdenden politischen Systemen sind zunehmend Fähigkeiten gefragt, auch heterogenste Standpunkte in eine gemeinsame Linie zu vereinen. Die politische Kultur der Zukunft wird also noch in weit stärkerem Maß auf Kompromissbereitschaft basieren, da sonst Abbrüche drohen, die Unsicherheit in verschiedenen Lebensbereichen zur Folge haben, wie wir es derzeit beispielsweise durch den Brexit befürchten.

In der Sommerakademie werden wir die Grundvoraussetzungen des Kompromisses zunächst in philosophischer Hinsicht thematisieren und dabei die Frage der Toleranz beim Kompromiss an den Beginn unserer Diskussion stellen. Welchen Toleranzbegriff brauchen wir für tragfähige Kompromisse? Ausgehend von grundlegenden Gedanken zur Toleranz – basierend auf Texten von John Locke und Voltaire – werden wir zur kritischen Diskussion des Toleranzbegriffs im 20. Jahrhundert entlang der Texte von Herbert Marcuse und Rainer Forst übergehen. In einem weiteren Schritt werden verantwortungs- und gesinnungsethische Fragen aufgeworfen, denen sich Überlegungen zum Kompromiss stellen müssen. Hier kommen Texte von Friedrich Nietzsche, Jürgen Habermas und Avshai Margalit zur Sprache.

Schwerpunkt des weiteren Verlaufs des Seminars werden die Auswirkungen dieser theoretischen Überlegungen auf die Bedeutung des Kompromisses im politischen demokratischen Leben sein. Wir werden beispielhaft aktuelle Herausforderungen an den Kompromiss im politischen Alltag herausarbeiten, die Abgrenzung zum Konsens klarstellen und dabei auch die gegenwärtigen Erscheinungsformen von Populismus und Nationalismus mit einbeziehen.

Methodisch sind ca. sieben Referate à jeweils 20-30 Minuten vorgesehen, die von einem Co-Referenten, der die anschließende Diskussion leitet, mit vorbereitet werden. Darüber hinaus sollen in einer als Planspiel angelegten Gruppenarbeit Themen wie Konsens versus Kompromiss und aktuelle und historische Kompromisse in der Politik diskutiert werden.

Weitere Informationen und Seminarleitung

Die Festlegung des genauen Ablaufs und die Vergabe der Referatsthemen mit Literaturhinweisen erfolgen im Vorfeld der Sommerakademie.

Seminarleitung

Ulrike Mielke, geb. 1963, studierte Romanistik und Philosophie an den Universitäten Heidelberg, Frankfurt, Lausanne und Salamanca. 1993 wurde sie an der Neuphilologischen Fakultät der Universität Heidelberg promoviert. Sie ist seitdem hauptsächlich in der Erwachsenenbildung tätig. Als Altstipendiatin der KAS ist sie seit 1993 im Auswahlausschuss der Stiftung aktiv und hat mehrere Seminare der Stiftung aktiv durchgeführt oder begleitet.

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