zurück

Evangelisches Studienwerk Villigst: Raus aus der Komfortzone – Demokratie als Lebensform

Die Demokratie scheint an Strahlkraft verloren zu haben: Allenthalben wird ihr Niedergang ausgerufen. Das Vertrauen in die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten als Bürger*innen sinkt. „Politikverdrossenheit“ ist eine seit Jahren gängige Diagnose. Nutznießer dieser – vermeintlichen oder echten – Krise sind Radikale und Extremisten am politischen Rand. Doch wovon reden wir eigentlich, wenn wir von Demokratie reden? Und warum könnte es ein Gesellschafts- und Politikmodell sein, für das sich das Kämpfen lohnt?

Die Demokratie scheint an Strahlkraft verloren zu haben: Allenthalben wird ihr Niedergang ausgerufen. Das Vertrauen in die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten als Bürger*innen sinkt. „Politikverdrossenheit“ ist eine seit Jahren gängige Diagnose. Nutznießer dieser – vermeintlichen oder echten – Krise sind Radikale und Extremist*innen am politischen Rand. Doch wovon reden wir eigentlich, wenn wir von Demokratie reden? Und warum könnte es ein Gesellschafts- und Politikmodell sein, für das sich das Kämpfen lohnt?

In diesem Seminar lernen wir die Idee der „offenen Gesellschaft“ (Karl Popper) kennen und befassen uns mit Grundzügen aktueller Demokratiemodelle (liberale, radikale, partizipative Ansätze – Jürgen Habermas, Chantal Mouffe). Wir fragen nach Grenzen und Herausforderungen der offenen Gesellschaft: Welche Rolle kommen Konflikte in diesen Modellen zu, welches Menschenbild liegt ihnen jeweils zugrunde, welche Gruppen und Minoritäten werden auf welche Weise berücksichtigt?

Und führen Neoliberalismus und globalisierte Märkte dazu, dass wir heute tatsächlich in einem System der „Postdemokratie“ leben, in dem zwar zur Show noch Wahlen abgehalten werden, Bürger*innen auf politische Entwicklungen aber eigentlich gar keinen Einfluss mehr haben, wie Autoren wie Colin Crouch behaupten?
Wachsende soziale Ungleichheit, das Gefühl zunehmender Ohnmacht sowie die Übernahme und Internalisierung von Leistungs-und Konkurrenzdenken führt seit den 80er Jahren auch merklich in der Arbeiterschaft zu steigenden Zustimmungswerten zu rechtspopulistischen Positionen und nationalautoritären Strömungen (Paul Mason oder Wilhelm Heitmeyer).

Tatsächlich lässt sich europaweit beobachten, dass die Neue Rechte gezielt und erfolgreich um Arbeiter und – auch hier mit deutlichen Zuwachsraten – Arbeiterinnen wirbt und Gewerkschaften regelrecht unterwandert. Und das, obwohl in Sozialdemokratie, Gewerkschaften und Betriebsräten traditionell Solidarität und „klare Kante “ gegen Rechts immer eine große Rolle gespielt haben und nach wie vor spielen.

Das Seminar will sich daher auch mit der bedeutenden Rolle demokratischer Bildung im Selbstverständnis der Gewerkschaften beschäftigen. Hier bietet sich die Auseinandersetzung mit dem Denken und Wirken Oskar Negts an, der überzeugt davon ist: Demokratie muss man lernen, sein ganzes Leben lang.
Wir wollen aber auch mit einem Kenner oder einer Kennerin der Gewerkschaften über die aktuellen Entwicklungen sprechen: Welche Möglichkeiten und Orte gibt es, um demokratisches Bewusstsein in der Arbeiterschaft zu stärken – und welchen Herausforderungen begegnet man hier?

Das vielleicht wichtigste Element der Demokratie ist Sprache: die Überzeugung, dass man in gewaltlosem Streit Konflikte austragen und Kompromisse finden muss. Gibt es eine Ethik der Rhetorik in der Demokratie? Welche Kennzeichen trägt demgegenüber die Rhetorik der Neuen Rechten? Wie geht man mit Demagogie um, und unter welchen Bedingungen ist ein demokratischer Dialog überhaupt möglich? (Elisabeth Wehling oder Marie-Luisa Frick).

Demokratie erschöpft sich nicht in Wahlen, und sie findet nicht nur in Parlamenten statt – sondern auch in Schulen, im Kindergarten, in Betriebsräten, im Quartiersmanagement und der Bürgerinitiative. Mehr noch: Demokratie ist eine Lebensform. Wie aber kann das genau im Alltag aussehen – welche 10 lebensnahen Tipps können wir mitnehmen? (Jürgen Wiebicke)

Weitere Informationen und Seminarleitung

Die Seminarstruktur wird ggf. aktuellen gesellschaftliche Entwicklungen und neuen Veröffentlichung auf dem Buchmarkt angepasst, wenn dies sinnvoll erscheint. Es sind ausdrücklich Teilnehmende aller Fachrichtungen willkommen. Vorkenntnisse oder ein geisteswissenschaftliches Studium sind keine Voraussetzung für die Teilnahme. Im Vorfeld des Seminars wird ein Reader mit Texten verschickt.

Seminarleitung

Natascha Gillenberg, Freie Journalistin und Filmautorin, außerdem Referentin bei der Diakonie Deutschland. Studium der evangelischen Theologie (ThM, Master of Divinity), Politikwissenschaften und Geschichte an der Universität Bonn und der Duke University in NC/USA.

Der Beitrag wurde zu Ihrerm Merkzettel hinzugefügt.

Merkzettel öffnen